Über die künstlerische Gestaltung des Andachtsraum 

Die bildende Kunst trifft, anders als das Wort, unmittelbar, sie tritt der Betrachterin und dem Betrachter sinnlich - räumlich entgegen. Sie schafft Atmosphären der Sammlung wie der Öffnung. Kunst gibt zu sehen und sie gibt zu denken und zu fühlen. So kommt es weniger auf die Frage an, „Was möchte die Kunst denn sagen?“, als vielmehr darauf, wie jeder und jede Einzelne sie sieht und interpretiert.

Kunstbetrachtung kann Konzentration oder Versenkung und in jedem Fall Anregung sein. Mit der Kunst soll auch die Welt und Zeit Platz in diesem Raum haben, denn die Akademie ist ein Ort des Austausches in und mit der Welt.

Sich besinnen und konzentrieren, aber auch irritiert und hoffentlich inspiriert werden, schließlich Zeitgenossenschaft erleben: dies soll die Kunst im Andachtsraum beim Betrachter bewirken.

Doch darüber hinaus markiert Kunst ein Absichtsloses und Fürsichstehen, das über alle Zweckmäßigkeit hinausgeht, das nicht vereinnahmbar ist, das uns als Anderes entgegentritt.

Sie kann mit ihrem Rätselcharakter eine Haltung befördern, die notwendig ist für eine Ahnung von der absoluten Andersheit Gottes. Dieser nachzuspüren, sie auch liturgisch zu feiern, dafür ist der Andachtsraum ein Ort.

Das Kreuz: Leo Zogmayer

Das Kreuz des österreichischen Künstlers Leo Zogmayer bietet in übertragenem wie wörtlichem Sinn Orientierung: es zeigt die christliche Grundhaltung, gibt aber auch dem Raum seine Ausrichtung. Es ist so streng wie klar und kann sich gerade dadurch dem Dialog mit unterschiedlichen künstlerischen Ansätzen aussetzen.

Die Installation: Lea Kuhl

Material: angekohltes Holz, Jutesäcke, Sand

Lea Kuhl wurde 1987 in Köln geboren; sie ist Meisterschülerin von Martin Gostner an der Kunstakademie Düsseldorf.

Die zwischen Boden und Decke verspannten Holzstäbe wirken wie ins Dreidimensionale versetzte große Striche einer Zeichnung, die in ihren Bögen dem Raum Lebendigkeit geben.

Durch die dunkle Farbgebung setzen sie im ansonsten fast weißen Raum einen starken Akzent, der wiederum durch die buchstäbliche Bodenhaftung in den Sandsäcken „geerdet“ wird.

Die Schwärze des Holzes entstand durch Verkohlen – Feuer spielte also im Herstellungsprozess eine bedeutende Rolle. Auf der anderen Seite evozieren die Sandsäcke die Assoziation von Schutz vor Überflutung. Wasser und Feuer stehen also dem Ausgestreckt- und Eingespanntsein zwischen Decke (Himmel/ Luft) und Boden (Erde) an der Seite. Dass die vier Elemente, die derart versammelt sind, auch eminent religiös aufgeladene Symbole sind, braucht nicht eigens erwähnt werden.

Holz, Sand, Jute – das sind „arme“ Materialien. Es sind keine, die typisch sind für einen liturgischen Raum, aber durch sie und durch die starke, klare Formensprache, die in den Raum eingreift, kommt Welthaltigkeit in den Raum.