Die Katholische Akademie Hamburg wurde 1973 von Gründungsdirektor Dr. Henry Fischer und Julius Kardinal Döpfner eingeweiht. Dem war eine intensive Diskussion über die Ausrichtung der Akademie vorangegangen. Mit dem Auftrag, die Akademie solle „eine Stätte der Begegnung sein, wo die Kirche sich der Welt zuwendet“, formulierte Kardinal Döpfner Anspruch und Programm des Hauses: ein kirchlicher Ort in der säkularen Metropole, offen für alle Menschen, die sich den Zukunftsfragen stellen wollen, vor denen Stadt, Kirche und Gesellschaft stehen.

In den folgenden Jahren wurde die Katholische Akademie, besonders unter Direktor Dr. Günter Gorschenek, immer deutlicher wahrgenommen als ein Ort der Begegnung, des Dialogs und der Debatten. Durch ihre Dialogoffenheit trug die Akademie entscheidend dazu bei, die gesellschaftliche Bedeutung von Katholiken in der durch den Protestantismus geprägten Hansestadt zu stärken. Aufsehen erregte gleich zu Beginn die Grundwertedebatte, die, von der Akademie ausgehend, in der ganzen Bundesrepublik geführt wurde.

Die Presse- und Medienkonzentration in Hamburg war für die Katholische Akademie von Anfang an ein Grund, Medienpolitik und -kultur kritisch zu begleiten. Um ihrer Arbeit in diesem Bereich eine auch wissenschaftliche Basis zu geben, wurde unter dem Dach der Akademie ein Institut für Interdisziplinäre Kultur- und Medienforschung gegründet, das über 10 Jahre lang an einer praxisorientierten Neubestimmung des Menschseins im Kontext der Medienkultur arbeitete.

Schon früh wurden Kontakte zu Kirche, Politikern und Künstlern aus der DDR, Polen und Ungarn aufgebaut. In der Zeit nach der Wende von 1989 und seit der Gründung des Erzbistums Hamburg im Jahr 1995 intensivierte die Akademie ihre Aktivitäten über die Grenzen der Hansestadt hinaus. Sie wurde zu einem Forum der Begegnung und des Austauschs zwischen Menschen, die lange Jahre in unterschiedlichen Systemen gelebt hatten und sich nun gemeinsam auf die Suche begaben nach neuen Formen des Zusammenlebens in Kirche und Gesellschaft.

Sehr intensiv beschäftigte sich die Akademie mit dem Bereich der Kinderkultur und der Kinder- und Jugendliteratur. In großen Ausstellungen stellte sie seit 1989 ausgewiesene Vertreter der Kinderkultur aus der DDR, aus Ungarn, Österreich, Polen, dem Baltikum und Island vor und widmete sich der Frage nach Qualität und Innovation in der Kinderbuchillustration. In zwei großen Ausstellungen wurden zukunftsweisende Ansätze der Bibelillustration für Kinder präsentiert.

Der  Dialog zwischen den Religionen, besonders der christlich-jüdische und der christlich-islamische Dialog, wird in der Katholische Akademie Hamburg seit ihrer Gründung intensiv gepflegt. Nicht erst heute, wo der Beitrag der Religionen zu Frieden und Unfrieden in aller Munde ist, sondern schon aus dem Gründungsimpuls des II. Vatikanischen Konzils heraus fragt die Akademie nach der Bedeutung des Dialogs für ein gelingendes Menschsein.

Dem Verhältnis von Kirche und Gesellschaft, Glauben und Säkularität gilt das besondere Augenmerk der Akademie. Vor diesem Hintergrund lud sie Joseph Kardinal Ratzinger, den späteren Papst Benedikt XVI., zu einem Vortrag vor dem Hamburger Überseeclub zum Thema „Glaube zwischen Vernunft und Gefühl“ ein. In der Tradition ihres Anfangs beteiligt sich die Akademie auch heute an den großen Diskursen in Kirche, Gesellschaft und Politik.

Seit 2007 leitet Dr. Stephan Loos die Katholische Akademie Hamburg. Der Anspruch, die Frage nach Gott wachzuhalten und der offensive Umgang mit innerkirchlichen Krisen hat die Arbeit der Akademie in den letzten Jahren sehr geprägt. Dass sich in dieser Zeit Öffentlichkeit als ganze radikal verändert – und damit auch das Freizeitverhalten ebenso wie das bürgerschaftliche Engagement der Menschen – bleibt nicht ohne Auswirkung auf die Akademie. Intensive Diskussionen über die Verortung der Akademie in dem Spannungsfeld von Säkularität und Frömmigkeit sowie die Suche nach neuen Veranstaltungsformaten und Formen der Partizipation an öffentlichen Diskursen begleiten ihre Programmarbeit. Neben der bewährten Form großer öffentlicher Veranstaltungen öffnet sich die Katholische Akademie Hamburg als ein Raum für Hintergrundkreise, in denen Menschen in diskreten, freien und nachdenklichen Gesprächen sensible gesellschaftliche und kulturelle Dialoge pflegen.