300 Hamburger Schüler*innen im Gespräch über Wahrheit
Nach einem vielbeachteten Auftakt im vergangenen Jahr kurz vor den Bundestagswahlen fand am 3. Februar 2026 erneut die „Stunde der Wahrheit“ statt – ein besonderes Dialogformat der Katholischen Akademie Hamburg in Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung und der Alfred Toepfer Stiftung F.V.S..
300 Oberstufenschüler*innen aus acht katholischen und staatlichen Gymnasien und Stadtteilschulen kamen am Morgen in der Katholischen Akademie zusammen. Nach einem inhaltlichen Impuls und einer Einführung durch Schauspielerin und Slam Poetin Dominique Macri stand die zentrale Frage des Tages im Raum:
Was ist Wahrheit – und was bedeutet sie für unser demokratisches Zusammenleben?
Raus aus dem Auditorium – hinein in die Stadt
Das Besondere an der „Stunde der Wahrheit“: Die Gespräche finden nicht auf einem Podium statt, sondern direkt vor Ort bei den jeweiligen Gesprächspartner*innen.
In Kleingruppen besuchten die Jugendlichen rund 40 Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Wirtschaft, Medien, Kultur, Religion und Gesellschaft – unter ihnen Hendrik Lünenborg (Intendant NDR), Lars Haider (Chefredakteur Hamburger Abendblatt), Tulga Beyerle (Direktorin Museum für Kunst und Gewerbe), Christoph Schoenfeld (Vizepräsident des Hamburgischen Verfassungsgerichts), Armin Levy (Vorsitzender Jüdische Union e.V.), Fatih Yildiz (stv. Vorsitzender SCHURA Hamburg), Prof. Dr. Tanja Lincoln (Klinische Psychologie und Psychotherapie), Dr. Thomas Dürmeier (Goliathwatch), Prof. Dr. Latif Mojib (Klimaphysik, GEOMAR; Präsident der Akademie der Wissenschaften in Hamburg).
An ihren jeweiligen Arbeitsplätzen diskutierten sie mit den Schüler*innen über Wahrheit im Berufsalltag, über Verantwortung im Umgang mit Informationen, über Zweifel, Manipulation, Fake News – und über die Frage, wie Demokratie im postfaktischen Zeitalter bestehen kann. Wahrheit kann aufklären und befreien – sie kann aber auch instrumentalisiert werden. Konflikte entstehen oft aus konkurrierenden Wahrheitsansprüchen.
NDR Intendant Hendrik Lünenborg betonte, wie wichtig es für Journalist*innen sei, Quellen und Informanten auf ihre Glaubwürdigkeit und Nachrichten auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen. Spiegel-Nachrichtenchef Stefan Weigel wies auf die Bedeutung der zahlreichen Faktenchecker*innen hin.
Viele Schüler*innen waren sich einig: „Man merkt erst im Gespräch, wie komplex der Begriff Wahrheit wirklich ist.“ und „Wahrheit hat auch mit Wahrhaftigkeit zu tun – also damit, wie ehrlich ich mit mir selbst bin.“.
Mit Blick auf das Gespräch mit den Schüler*innen beeindruckte Gesprächspartner Armin Levy (Jüdische Union e.V.) ganz besonders „das hohe Maß an Information, Aufmerksamkeit und Verantwortungsbewusstsein, mit dem diese jungen Menschen in den Austausch gegangen sind. Sie waren vorbereitet. Sie waren präsent. Und sie waren klar in ihrer Haltung. Diese Schülerinnen und Schüler erkennen gesellschaftliche Zusammenhänge, benennen Probleme und stellen die richtigen Fragen.“
Gemeinsamer Abschluss in der Akademie
Nach den dezentralen Gesprächen kehrten alle Gruppen zurück in die Katholische Akademie. Im gemeinsamen Plenum sammelte Moderatorin Dominique Macri Eindrücke der Schüler*innen und bündelte diese in einem lebendigen, an die Teilnehmenden gerichteten Slam-Text. Dabei zeigte sich: Demokratie lebt vom Austausch – vom Zuhören, vom Argumentieren, vom Aushalten unterschiedlicher Positionen.
Die „Stunde der Wahrheit“ 2026 hat einmal mehr gezeigt, wie wichtig Räume sind, in denen junge Menschen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens direkt begegnen können – jenseits von Schlagzeilen und Social-Media-Algorithmen.
Denn die Frage „Was ist Wahrheit?“ lässt sich nicht abschließend klären. Aber sie gemeinsam zu stellen und sich damit auseinanderzusetzen, ist ein wesentlicher Schritt für eine lebendige Demokratie.